Termin-Kontrakt / Future-Kontrakt

1975 wurde die Terminbörse Comex in New York gegründet, an der Termin-Kontrakte auf Gold, Silber, Kupfer und Aluminium gehandelt werden. Nicht der Handel mit den physischen Metallen bestimmt deren Preise, sondern der Handel mit Future-Kontrakten. Da Future-Kontrakte in unendlicher Stückzahl von Großbanken erschaffen und verkauft werden dürfen, ergibt sich eine völlig absurde Situation: Durch Future-Kontrakte wird weitaus mehr Silber verkauft, als physisch vorhanden ist! So wie Banken Geld „aus dem Nichts schöpfen“, ist ihnen dies auch bei Rohstoffen erlaubt, in dem sie unendlich viele Termin-Kontrakte erschaffen und verkaufen dürfen. Sie gehen damit Lieferverpflichtungen ein, die sie speziell bei Silber nicht einhalten können. Weder besitzen Banken die verkaufte physische Menge, noch können sie im Bedarfsfall die fehlende Menge erwerben, weil es diese nicht gibt.
Was ist ein Future-Kontrakt?
Ein Kontrakt verbrieft eine standardisierte Menge. Beim Silber sind das 5.000 Unzen, beim Gold 100 Unzen. Wenn eine Großbank einen Silber-Kontrakt an der Terminbörse verkauft, verpflichtet sie sich,
5.000 Unzen Silber zu einem bestimmten Preis und zu einem festgelegten Zeitpunkt zu liefern. Auf der anderen Seite verpflichtet sich der Käufer des Kontrakts, häufig ein Hedgefonds, die 5.000 Unzen Silber zum Liefertermin abzunehmen. 5.000 Unzen sind etwa 155,5 kg (5.000 x 31,10 g). Für Silber gibt es sieben Liefertermine pro Jahr. Der Preis, der meist erst einige Monate später für die Ware gezahlt werden muss, wird von vornherein festgelegt (deshalb „Future“, engl. „Zukunft“).

Ein Beispiel für den Handel mit einem Silber-Terminkontrakt:
Aktuell kostet eine Unze Silber mit Liefertermin Dezember 2017 etwa 16,80 Dollar. Ein Kontrakt hat somit einen Gesamtwert von 84.000 USD (5.000 x 16,80 USD). Der Käufer des Termin-Kontrakts hofft auf einen sehr bald steigenden Silberpreis. Bezeichnen wir ihn nachfolgend als Spekulant, weil er auf einen schnellen Gewinn aus ist. Ein langfristiger Investor würde sich stattdessen physisches Edelmetall kaufen. Um einen Kontrakt kaufen zu können, muss der Spekulant einen „Einschuss (margin)“ leisten. Das bedeutet, er muss einen kleinen Teil des Kontraktwerts hinterlegen – derzeit zwischen zwei und 4,8 Prozent, abhängig von der Vertragslaufzeit. Dieser äußerst niedrige Einschuss entfacht eine enorme Hebelwirkung, die zu außergewöhnlichen Profiten führen kann, falls der Spekulant mit seiner erwarteten Preiseinschätzung richtig liegt. Natürlich ist diese Hebelwirkung ein zweischneidiges Schwert: Bewegen sich die Preise in die entgegengesetzte Richtung, sind die Verluste des Spekulanten entsprechend groß.

Terminkontrakte
Terminkontrakte

Im aktuellen Dezember-Terminkontrakt (Stand 05/2017) beträgt der vom Broker geforderte Einschuss vier Prozent, also 3.360 USD (4 % von 84.000 USD). Der Spekulant kontrolliert mit seinem Einschuss von nur 3.360 USD, Silber im Wert von 84.000 USD.
Nehmen wir an, der Spekulant hat die Preisentwicklung richtig vorausgesehen und nach einigen Wochen würde der Comex-Dezember-Silber-Kontrakt zu 17,80 USD pro Unze gehandelt. Damit stiege der Gesamtwert des Kontraktes um genau 5.000 Dollar, da jede Unze um 1 Dollar teurer geworden ist; angenommener Preisanstieg von 16,80 USD auf 17,80 USD.
Der Spekulant hat nun zwei Möglichkeiten:
1. Er kann den Verfallmonat des Kontraktes, also Dezember 2017, abwarten und die Lieferung von 5.000 Unzen Silber zum ursprünglich vereinbarten Preis von 16,80 USD pro Unze verlangen. Allerdings müsste er dann den Kaufpreis von 84.000 USD zahlen – abzüglich des geleisteten Einschusses von 3.360 USD.
2. Er kann aber auch seine Position „eindecken“, indem er einen identischen Silber-Kontrakt verkauft. Diese vorzeitige Glattstellung eines Terminkontraktes wird praktisch in fast allen Fällen angewandt. Nur etwa zwei Prozent der gehandelten Terminkontrakte werden durch eine physische Lieferung erfüllt, indem die Produkte vom Verkäufer eines Kontraktes tatsächlich geliefert und vom Käufer entgegengenommen werden.
Nehmen wir an, „unser“ Spekulant entscheidet sich für die Gewinn-Realisierung von 5.000 USD. Er verkauft einen Kontrakt Dezember-Silber zu 17,80 USD, um somit seine offene Position zu schließen. Mit dem ursprünglich aufgewendeten Betrag von 3.360 USD erzielt der Spekulant also einen Gewinn von 5.000 Dollar. Das sind 149 Prozent, obwohl der Silber-Preis nur um 5,9 Prozent gestiegen ist (von 16,80 USD auf 17,80 USD)! Diese enorme Hebelwirkung lockt viele Spekulanten an die Terminmärkte. Für Spekulanten enden diese Geschäfte meist im Verlust. Sie haben offensichtlich keine Ahnung, dass die Bank, als ihre Gegenpartei, im großen Vorteil ist. Ansonsten würden sie die Finger von Geschäften lassen, die für Spekulanten ein sehr nachteiliges Chance-Risiko-Verhältnis aufweisen.
Wenn in unserem Beispiel der Silber-Preis, entgegen der Erwartung des Spekulanten, um nur drei Dollar fällt, würde er einen Verlust von 15.000 Dollar erleiden (5.000 Unzen mal 3 Dollar). In diesem Fall ginge ihm nicht nur sein Einschuss von 3.360 USD verloren, sondern er müsste zudem die Differenz von 11.640 USD nachschießen.

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