Die EZB hält Banken und Staaten am Leben

Die EZB verhindert Zahlungsausfälle von überschuldeten Staaten und Banken, indem sie die Zinsen auf, beziehungsweise unter die Nulllinie drückt und immer mehr Euro in das Finanzsystem pumpt. Ohne diese Maßnahmen hätten verschiedene Regierungen und  Banken längst ihre Pleite erklären müssen und die Euro-Schuldgeldpyramide wäre in sich zusammengebrochen. Die EZB hat die Macht, nicht nur die kurzfristigen Zinsen festzulegen und niedrig zu halten. Indem sie Schuldscheine mit langen Laufzeiten kauft, treibt sie die Anleihekurse in die Höhe und kann auf diesem Wege die langfristigen Zinsen unter die Nulllinie drücken. Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die EZB dieses Gelddruck-Programm verlängern wird. Bisher gab es schon drei Erhöhungen und Verlängerungen.

Die Null- und Negativzinspolitik der EZB steht dagegen vermutlich vor dem Aus
Für die deutschen Banken, die im Durchschnitt etwa 75 % ihrer Erträge aus der Zinsmarge schöpfen, laufen immer mehr hochverzinste Kredite aus, während sie neue Kredite nur zu sehr viel niedrigeren Zinsen ausreichen können. Parallel scheuen die allermeisten Institute davor zurück, von den Sparern Negativzinsen zu verlangen. Wenn sie aber auf der einen Seite weniger einnehmen und auf der anderen Seite gleich viel ausgeben, dann schrumpft das Ergebnis.

Die Null- beziehungsweise Negativzinspolitik der EZB lässt sich offenbar nicht dauerhaft durchhalten. Die Bankenbranche in der Eurozone verliert ansonsten ihr Geschäftsmodell. Die Rückkehr zu (etwas) höheren Zinsen erscheint unausweichlich.

Untersuchungen haben gezeigt, dass in den letzten 500 Jahren, Währungen im Durchschnitt nur 39,6 Jahre gehalten haben. Viele Marktbeobachter waren vor rund zwei Jahren überrascht, als verschiedene Notenbanken negative Zinsen einführten. Die Schwedische Reichsbank erfand den negativen Leitzins. Schwedische Banken, die sich von der Reichsbank Geld liehen, mussten somit weniger zurückzahlen, als sie aufgenommen haben. Auf den ersten Blick erschien diese Negativzinspolitik für Banken genial. Erfahrungen gab es mit diesem Zinsmodell noch nicht. Heute ist jedermann klar, dass diese Politik der Negativzinsen nicht länger durchzuhalten ist:

  1. Eine wachsende Zahl verunsicherter Markteilnehmer erachtet eine Welt negativer Zinsen als Zeichen wachsender Verzweiflung der Zentralbanken.
  2. Negative Zinsen sollten ursprünglich den Konsum stimulieren. Viele Bürger haben dagegen ihre Sparaktivitäten erhöht, da ihnen klar wurde, dass Vorsorgesysteme in einer Welt negativer Zinsen nicht imstande sind, das für den Ruhestand benötigte Geld zu erwirtschaften.
  3. Das viele frische Geld dürfte kaum in der Realwirtschaft ankommen, sondern vielmehr die Blasenbildung an den Finanzmärkten verstärken.
  4. Banken können die Negativzinsen kaum an Sparer weiterreichen, da diese ihr Geld sonst abheben und „unter die Matratze“ legen.

Negative Realzinsen
Damit die Schuldner nicht in Bedrängnis geraten, muss die EZB dafür sorgen, dass die realen Zinsen, also Zinsen nach Abzug der Inflation, negativ bleiben. Ein mögliches Szenario könnte wie folgt aussehen:
Die EZB lässt die langfristigen Zinsen für Staatsanleihen langsam auf etwa ein bis zwei Prozent steigen. Dieser Effekt tritt ein, wenn sie die monatlichen Anleihekäufe reduziert. Ab April 2017 drosselte die EZB die monatlichen Anleihekäufe von 80 Milliarden auf 60 Milliarden Euro. Gleichzeitig kann die EZB so viel neues Geld in Umlauf bringen, dass die Inflation auf vier Prozent steigt. Der Euro-Realzins fällt dann auf minus drei beziehungsweise minus zwei Prozent. Wenn die EZB dafür sorgt, dass der Langfristzins über dem Kurzfristzins bleibt, kann sie die Banken wieder etwas gesunden lassen: Diese könnten die Vergabe von langfristigen Krediten mit kürzer laufenden Mitteln refinanzieren und dadurch wieder Gewinne erzielen. Ob die EZB diesen Weg einschlagen wird, bleibt abzuwarten, aber die Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe ab April lässt darauf schließen.

10-jährige deutsche Rendite (nominal und real) Die braune Kurve zeigt die Zinsentwicklung einer 10-jährigen deutschen Bundesanleihe. Die orange Kurve zeigt den Realzins an. Dieser errechnet sich aus Zins der Bundesanleihe minus Teuerungsrate.
Die braune Kurve zeigt die Zinsentwicklung einer 10-jährigen deutschen Bundesanleihe. Die orange Kurve zeigt den Realzins an. Dieser errechnet sich aus Zins der Bundesanleihe minus Teuerungsrate.

Anmerkung zum obenstehenden Bild: Bereits seit 35 Jahren fallen die Zinsen! Ist es nicht verwunderlich, dass über die Gründe in deutschen Schulen nichts gelehrt wird?

Höhere Güterpreise sind vorprogrammiert

Die Politik der EZB, die Zahlungsausfälle von Staaten und Banken verhindert indem sie die elektronische Notenpresse einsetzt, läuft darauf hinaus, die Kaufkraft des Euro zu schmälern. Die extreme Vergrößerung der Geldmenge wird früher oder später die Güterpreise im Euroraum in die Höhe treiben.

Chart 10 Jahre Bund Future
Chart 10 Jahre Bund Future

Wenn die Inflationserwartungen zu steigen beginnen, kommt es normalerweise zu einem „Ausverkauf“ an den Anleihemärkten. Dadurch fallen die Anleihekurse, was mit steigenden langfristigen Zinsen gleichzusetzen ist. Will die EZB das verhindern, muss sie die Anleihen, die die Anleger dann auf den Markt werfen, mit neu gedrucktem Geld aufkaufen. Dadurch steigt die Geldmenge weiter. Die Angst vor einem Platzen der Anleiheblase kann zu einem riesigen Verkaufsdruck bei den Anleihen führen. Man bekommt eine Vorstellung davon, wenn man sieht, auf welch unrealistisches Kursniveau die Anleihekurse in den letzten 10 Jahren geklettert sind (vgl. Abbildung Chart Bund Future).

Im Extremfall muss die EZB die Schulden in kurzer Zeit und in ganz großem Stil aufkaufen und so eine hohe Inflation produzieren. Dies würde die Inflationserwartungen weiter verstärken. Eine erhöhte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes mit stark steigenden Güterpreisen wäre die logische Folge.

Schutz vor Inflation, Teuerung und negativen Realzinsen
Die Geldmenge M3 besteht im wesentlichen aus Bargeld und Bankeinlagen. Sie steigt und steigt und beläuft sich derzeit auf rund 11,3 Billionen Euro. Auf diese Geldmenge wird kein Zins mehr bezahlt. Gleichzeitig beträgt die jährliche offizielle Teuerungsrate 2,2 Prozent.

Die Ersparnisse, die in der Geldmenge M3 "geparkt" sind, erleiden somit pro Jahr einen Kaufkraftverlust von rund 249 Milliarden Euro. Tendenz steigend!
Die Ersparnisse, die in der Geldmenge M3 „geparkt“ sind, erleiden somit pro Jahr einen Kaufkraftverlust von rund 249 Milliarden Euro. Tendenz steigend!

Wir müssen uns an mehr Inflation gewöhnen. Das Hochschnellen der Inflation würde die Kurse der Anleihen nach unten schicken, sich auf die Kurse einzelner Aktien unterschiedlich auswirken, aber die Edelmetallpreise erfahrungsgemäß nach oben treiben. Anleihen werfen keinen Zins mehr ab. Schlimmer noch: Sie verlieren unwiederbringlich an Kaufkraft. Mit dem Halten von Edelmetallen hat man die Chance, sichere Kaufkraft-Verluste zu vermeiden. Gold und Silber sind über Jahrtausende bewährte Währungen, vor allem ein Schutz vor Inflation. Anders als das ungedeckte Papier- bzw. Schuldgeld, lassen sich Edelmetalle nicht durch politische Willkürakte entwerten. Zudem tragen Edelmetalle kein Kredit- beziehungsweise Zahlungsausfallrisiko. Die Halter von Staatsanleihen, Bankeinlagen und Bankschuldverschreibungen können Zahlungsausfälle erleiden. Die Halter von Edelmetallen nicht.

Um die Zukunft des Euros steht es nicht gut: Entweder bricht die Eurozone auseinander oder sie wird zusammengehalten, indem die Geldmenge ständig vergrößert wird. In beiden Fällen erleiden die Sparer Verluste. Das Halten von Edelmetallen ist ein vernünftiger Versuch, diesen sich anbahnenden Verlusten zu entkommen.

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